HOLUNDER - SAMBUCUS NIGRA

 

Ringel ringel reihe,

sind wir Kinder dreie,

sitzen unterm Hollerbusch,

machen alle Husch, Husch, Husch.                   Alter Kindervers

 

In den Wurzeln des Hollers wohnt Frau Holle

Text und Fotos von Ursula Konder

Freitag, 06. Juli 2012/17

 

Um den Holunder ranken sich viele Geschichten. Er gilt als getreuer Begleiter des Menschen und war schon in Urzeiten ein hoch geschätzter Strauch. Bereits im Buch Moses wurde beschrieben, wie mit Holunder Fieber bekämpft werden konnte. Auch in Märchen kommt der Holunder immer wieder vor. So sollen dort die Erdgöttin Holda und einer dänischen Sage zufolge die Frau Holle wohnen. Hans Christian Andersen beschäftigte sich mit der "Hyldemor", zu deutsch dem Fliedermütterchen oder der Mutter Holunder und schrieb ein Märchen über sie. Im deutschen Märchen gegegnet sie uns als Frau Holle, die ihre Betten so stark ausschüttelt, dass es auf die Erde schneit. Die kleinen weißen Blüten des Holunders stehen hierbei für den Schnee.  

 

Aber auch mit dem Hexentum wurde der Holunder in Verbindung gebracht. Meist waren es Frauen und Hebammen, die um die Kräfte des Baumes wussten und diese auch positiv wie negativ einsetzten. Denn roh sind Holunderbeeren leicht giftig und können zu starken Durchfällen führen. Da sich damals noch niemand die Wirkung dieser und vieler anderer Pflanzen erklären konnte, ging man davon aus, dass sie von den Frauen verhext worden seien. So wurden die Wissensträger als Hexen verfolgt und oftmals auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Auch im Taunus. 

 

Schutzbaum für das Haus


Der Holunder galt früher aber auch als Schutzbaum des Hauses und hatte eine besondere Bedeutung für das Vieh: So sollte der Riegel einer Stalltür aus dem Holz des Holunders gemacht sein, damit es dem Vieh gut ging. Kein Wunder also, dass unsere Urahnen den Holunderstrauch mit Respekt behandelt haben, und so heißt ein alter Spruch: Vor dem Holunder musst du deinen Hut abnehmen.

 

Heute macht dies alles wohl niemand mehr, auch wenn der Holunder im Taunus überall wild wächst.  Wer derzeit an der B 275 Richtung Bad Nauheim entlang fährt, sieht die blühenden cremefarbenen Dolden des schwarzen Holunders, die wie der rote Holunder – eine seltenere Sorte - als Schmetterlingsweide dienen.

 

Wenn die Holunderblüten besonders intensiv riechen, macht die Kräutermarie aus ihnen Sirup. Foto: Konder
Wenn die Holunderblüten besonders intensiv riechen, macht die Kräutermarie aus ihnen Sirup. Foto: Konder

„Die Blüten sind in allen Reifestadien essbar“, erzählt die Kräutermarie. Die noch geschlossenen Knospen sind süß und werden für die Herstellung von Tee geerntet. „Allerdings müssen die Knospen schon weiß-beige sein.“ Der Tee aus Blüten sollte heiß getrunken werden. Er ist schweißtreibend und fiebersenkend. Er könne zwar nicht die Ursache der Erkrankung beeinflussen, aber dem Körper helfen, damit schneller fertig zu werden, da er das Immunsystem unterstützt.


Manchmal grabbeln auf den jungen Knospen auch Ameisen. Das sollte Sammler nicht abschrecken, denn das verspreche noch mehr Süße: „Die Ameisen sind scharf auf den Blütennektar“, verrät die Kräutermarie.


Sind die Blüten ganz offen und riechen stark, dann können sie zur Sirupherstellung genommen werden. Auch die Holunderbeeren können genutzt werden. Aus ihnen kann man Saft und Likör machen. Allerdings ist hier auch Vorsicht geboten, warnt die Kräutermarie: Während getrocknete Holunderbeeren gegen Durchfall wirken, sind frische und rohe Beeren leicht giftig und verursachen Brechreiz und Durchfall. Doch wie bei vielen Pflanzen gelte auch hier die Regel: „Die Dosis macht das Gift.“ Heißt: Richtig dosiert haben viele Kräuter eine heilende Wirkung, zu hoch dosiert sind manche aber auch ungenießbar oder gar giftig. 

 

Das Holz des Holunders kann natürlich auch genutzt werden: Wer Kindern eine Freude machen will, der kann aus dem Hollerholz kleine Pfeifchen machen, denn das Mark lässt sich leicht entfernen, und mit dem Klang der Pfeifchen können angeblich Naturgeister und Elfen gerufen werden. Die helfen dann vielleicht auch wenn die bösen Buben die hohlen Hölzchen mal wieder als Blasrohre für die Holunder-Beeren benutzen. (UKo)

 

Und damit ihr auch ein paar Holunder-Rezepte ausprobieren könnt, habe ich euch einige aufgeschrieben. 

 

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INHALTSTOFFE

Der Holunder enthält Säuren, Harz, Zucker, Glykoside, Flavonoide, Vitamine und Mineralien.

WIRKUNG

hustenlindernd, stuhlfördernd, blutreinigend und schweißtreibend. In der Homöopathie bekommen Kinder zur Steigerung der Abwehrkräfte Sambucus Nigra bei Schnupfen und Asthma.

VERWENDETE TEILE

Verwendet werden Blüten, Blätter, Früchte, Rinde und Wurzeln.

SAMMELZEIT

Blätter: vor und nach der Blüte

Beeren: wenn sie schwarz (bzw. rot) sind

Rinde: im Frühjahr

Wurzel: Frühjahr und Herbst

BLÜTEZEIT

Juni bis Juli