Jahrelang geübt

Mütter freut Euch. Am Sonntag ist wieder einmal unser amtlicher  Feiertag: Muttertag. Rund um die Welt wird er gefeiert, Millionen von Blumen werden verschenkt, Herztorten gebacken, Grußkarten gebastelt, Bilder gemalt und Gedichte geschrieben, und wenn’s für Euch richtig gut läuft, bekommt Ihr sogar ein Frühstück ans Bett. Einmal im Jahr werden wir offiziell geehrt, wird uns in Versform gesagt, das wir die Beste sind. 

 

Ich bin heute doch tatsächlich gefragt worden, was das Schöne am Muttersein ist.  Schließlich müsste ich das ja wissen, mit meinem Vieren. Stimmt, müsste ich wissen, doch so auf Anhieb fällt mir erst einmal nichts Sinniges ein. Diese Frage habe ich mir noch nie in dieser Form gestellt, und so habe ich auch keine Antwort parat. 

 

Also nehme ich mir ein paar Minuten und denke nach. Der Song „The answer my friend, is blowing in the wind“ kommt mir in den Sinn. Und Günter Jauch. Nein, der hat nichts mit meinen Kindern zu tun, aber bei ihm gibt’s Telefon-Joker, die der nichtwissende Kandidat anrufen darf. Ich bin nichtwissend - also setze ich doch mal meinen Telefon-Joker ein und rufe jemand an, der diese Frage garantiert und bestens beantworten kann: Meine Mutter.

 

Mütterchen muss es wissen 

 

„Mütterchen, was ist das Schöne am Muttersein?“, geb’ ich die Frage an sie weiter.  „Oh, lieber Gott, gute Frage, nächste Frage“, lautet ihre spontane Antwort. Sie denkt, ihre Älteste will sie auf den Arm nehmen, und bis ich ihr erklärt habe, dass die Frage durchaus ernst gemeint ist, sind 30 Sekunden rum. Bei Günther Jauch würde es jetzt klick machen – Zeit um, danke fürs Gespräch und Chance verspielt. 

 

Doch dann legt Mütterchen los: Als Frau wünscht man sich doch Kinder zu haben. Es ist überwältigend  zu sehen, wie fertig ein Baby schon ist, wenn es auf die Welt kommt.  Und noch toller ist es, zu sehen wie sie heranwachsen, und noch toller ist es, sie zu erziehen, und noch toller ist es, ihnen Werte mitzugeben... „Ich wollte schon Mutter werden, als ich noch zur Schule ging“, verrät Mütterchen - und ich glaube ihr jedes Wort, so euphorisch wie sie am Ende sagt: „Ich war immer gerne Mutter!“  - Ja, und du bist bis heute eine tolle Mutter. 

 

Macht Unsinn Sinn? 

 

Ich ziehe meine zweiten Telefon-Joker. Meine Schwester. Mutter zweier Söhne. „Was ist das Schönste am Muttersein?“, frage ich sie und bekomme prompt die Antwort: „Die Frage stell’ ich mir auch ganz oft!“ Tja, und dann legt auch sie los, erzählt liebevoll von ihren „Zwergen“ (der 13-Jährige geht stramm auf eins-siebzig zu), von der „bedingungslosen Liebe, die dich bei der Geburt überflutet, von leuchtenden Kinderaugen, vom Weiterbestehen der Familie“ und resümiert: Wenn du Kinder hast, dann hat das Leben einen Sinn gehabt. 

 

Okay, denke ich. Obwohl der ganz Unsinn, den meine Jungs und Mädels verzapft haben, sicherlich nicht immer etwas zum Sinn des Lebens beigetragen hat. Tja, und so langsam fallen mir auch einige Dinge ein, die – finde ich - echt gut am Muttersein sind. Von meinen Kindern habe ich das meiste in meinem Leben gelernt. Wenn du vorher nicht multi-tasking-fähig warst, mit Kindern wirst du das ganz schnell. Und so unheimlich vielseitig wirst du: Du arbeitest dich von der Säuglings- bis zur Kinderkrankenschwester hoch, bist Windelwechslerin, zu-Bett-Bringerin, Gute-Nacht-Geschichten-Erzählerin, Tröstepflaster-Kleberin, Tränen-Wegwischerin, Haare-Bürsterin, Kakao-vom-Boden-Aufwischerin, Stullen-für-die-Schule-Schmiererin, Turnbeutel-Hinterher-Trägerin, Geheimnis-vor-Papa-Bewahrerin, alles-wieder-heile-Macherin und später Geld-Geberin. Du schuftest als Erzieherin, Lehrerin (und ich habe Schule schon als Kind gehasst), Normal- und Schonkostköchin, Taxifahrerin, Stil- und Sexualberaterin. Du entwickelst psychologische Fähigkeiten, Durchsetzungsvermögen, diplomatisches Geschick, Organisationstalent. Und du lernst zu warten. Schließlich gehen die Uhren deiner Plagen stets nach oder der Bus hatte wieder einmal Verspätung oder die beste Freundin hat Liebeskummer und konnte auf keinen Fall alleine bleiben oder ....

 

Humor ist, wenn Mutter trotzdem lacht! 

 

Ich hätte mir die Domain www.dumme-ausreden.de sichern sollen.  Ich wäre längst Millionär. Und für all dieses brauchst du nicht einmal Fachhochschulreife. Du brauchst dazu nur Nerven wie Drahtseile und eine große Portion Humor. Denn Humor ist, wenn Mutter trotzdem lacht. 

 

 In der Tat habe ich in 32 Jahren Muttersein trotz Stress (der gehört dazu, sagt Mütterchen) mit meinen Töchtern und Söhnen viel gelacht. Und eben jenes Kinderlachen war es, das mir so unendlich viel geschenkt hat. „Das Schönste am Muttersein ist immer Kinderlachen um dich zu haben“, sagt übrigens auch meine Tochter (dritter Telefon-Joker).

 

Ja, Kinderlachen ist ein Lachen voller Liebe, ein Klang, der das Mutterherz zum Schlagen bringt, wie der vollkommenste Klöppel die schönste aller Glocken in Schwingung versetzt. Das Lachen der Kinder berührt die Seele einer Mutter an ihrem tiefsten Punkt. Es ist Magie, du siehst sie nicht, du spürst sie nur, sitzt mit staunenden Augen da und bist dankbar für dieses wunderbare Geschenk. Und mir wurden gleich vier wunderbare Geschenke zuteil, auf die ich alle stolz bin. 

 

So. Jetzt muss ich aber mal wieder - Enkeltochter aus der Kita abholen. Als Mutter hab’ ich schließlich  jahrelang geübt, damit ich als Oma topfit für solche Aufgaben bin.  (5)

 

Eure UKo

 

P.S. Ich wünsch Euch einen tollen Muttertag!

 

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