BILDER AUS DEM INNEREN

KUNST IN DER ALTEN SCHULE

Britta Burmehl meditiert oftmals bei Vollmond, um sich neue Kraft zu holen. Foto: Konder
Britta Burmehl meditiert oftmals bei Vollmond, um sich neue Kraft zu holen. Foto: Konder

Die Alte Schule Pfaffenwiesbach scheint sich zu einem kleinen Haus der Künste zu mausern. Nachdem bereits Simone Müller mit ihrer Kreativwerkstatt im Erdgeschoss eingezogen ist, arbeitet nun auch Britta Burmehl als zweite Künstlerin dort.

 

Von Ursula Konder

 

Pfaffenwiesbach. An der Stirnseite der Garage, unter einer alten Decke und hinter vielen Grünpflanzen, hat das zwei auf drei Meter große „Ungetüm“ sein Quartier bezogen. Doch der Riese ist ein wahrhaft friedlicher Zeitgenosse. Grün, mit zwei Glubschaugen, einer Krone auf dem Kopf und einer goldenen Kugel in der nasskalten Hand ist er bekannt als Froschkönig. Eine Mutter, die ihn erschaffen – besser gesagt auf Leinwand gebannt – hat, hat er auch. Sie heißt Britta Burmehl, lebt in Pfaffenwiesbach und wird mit ihrer Kunstschule demnächst in die Alte Schule im Dorf einziehen, um Kinder und Erwachsene in die Welt der Farben einzuführen.

 

Das große Bild mit ihrem Froschkönig hat für die 40-Jährige einen besonderen Erinnerungswert, stellt es doch die Abschlussarbeit ihrer Ausbildung zur Theatermalerin dar. Damals hat sie das Gemälde in einem ganz in Schwarz verhangenen Raum präsentiert.

 

Wenn Britta Burmehl an ihre Ausbildung am Wiesbadener Staatstheater denkt, dann kommt sie ganz schnell ins Schwärmen. Ein Fotoalbum dokumentiert die drei Jahre, zeigt Szenen, in denen sie mitten auf einem acht mal zwölf Meter großen Bild steht und malt – mit großen Farbeimern ringsherum und einem überdimensionalen Pinsel an einer Stange. Ganz ins Bild eintauchen – diese Formulierung bekommt da eine ganz neue Bedeutung, meint sie und schaut sich fast verliebt die alten Fotografien an.

 

Lehre am Theater

 

Geboren wurde Burmehl in Leverkusen. Mit den Eltern zog sie als Kind zwischen Köln und Darmstadt hin und her, besuchte die Waldorfschule und machte dort ihre ersten kreativen Gehversuche. Ihr Fachabitur machte sie in der Fachrichtung Künstlerische Gestaltung. Nach der Ausbildung am Wiesbadener Staatstheater arbeitete sie freiberuflich.

 

Während ihrer Ausbildungszeit lernte sie auch ihren Lebensgefährten Harald Klotsche kennen. Der studierte zwar in Darmstadt, kam jedoch aus Pfaffenwiesbach, und so verschlug es auch sie im Jahr 2000 in das zu Wehrheim gehörende Dorf. Mittlerweile hat das Paar zwei Töchter. In den vergangenen vier Jahren hat die zweifache Mutter eine Ausbildung in Shiatsu, Kinesiologie und der Fünf-Elemente-Ernährung gemacht. „Jetzt fließt alles zusammen“, erzählt sie und meint damit die einstige Ausbildung in Spiritualität und die neuen Erfahrungen.

 

In einem englischen Kloster war sie einige Jahre Schülerin. Dort wurde gelehrt, den persönlichen Glauben zu finden, ohne einen bestimmten Gott anzubeten. Als vor elf Jahren ihr Lehrer starb, musste sie nach neuen Wegen für sich selbst suchen. Durch eine Freundin kam sie an die weitere Ausbildung und merkt nun, wie sich das Wissen der Vergangenheit mit dem aktuellen zusammenfügt.

 

Auch Kunst und Spiritualität fügen sich zusammen. Und so kommen heute ihre Bilder nicht mehr von Vorlagen, sondern „aus meinem Inneren“, sagt Britta Burmehl, die bei Vollmond meditiert und dies künftig für Erwachsene in der Alten Schule anbieten möchte.

 

Mit Kindern hat sie bereits in Kunstkursen an der Adolf-Reichwein-Schule in Neu-Anspach gearbeitet, „und das hat mir sehr gefallen“, verrät Britta Burmehl. Im Frühsommer sollen ihre Kurse in der Alten Schule Pfaffenwiesbach beginnen. Mit Intuitionsschulung will sie Jung und Alt an die Ausdrucksmalerei heranführen. Etwas sehen oder hören, fühlen, was es auslöst und es dann auf Papier oder Leinwand mit Farbe umsetzen – so beschreibt die sympathische Pfaffenwiesbacherin das, was ihre Schüler bei ihr erfahren sollen. (9)

 

Kunst & Kultur

 

Taunus-Zeitung, Ausgabe Bad Homburg vom 26.03.2011