Keramik aus dem Kuhstall

Auch Schmuck entsteht in der Porzellan-Werkstatt von Laura Sebestyén. Fotos: Ursula Konder
Auch Schmuck entsteht in der Porzellan-Werkstatt von Laura Sebestyén. Fotos: Konder
Am Liebsten sitzt Laura Sebestyén an ihrer Töpferscheibe. Foto: Ursula Konder

Von Ursula Konder

Beim Tag der offenen Töpferei ist auch Laura Sebestyén aus Oberlauken mit ihrem Atelier mit von der Partie.

 

 

Oberlauken. Die Tür zum Kuhstall steht einen Spalt offen. Klassische Musik dringt durch die Öffnung in den Innenhof des alten Bauernhofs in der Hanggasse 6 in Oberlauken. Leuchtend gelb sind die Außenwände gestrichen. Drinnen dominieren helle Farben den Raum, an der Wand zur Straße hin prasselt im schwarzen Kaminofen ein wärmendes Feuer.

Ob dieses Ambiente den Paarhufern gefallen würde, sei dahingestellt, doch Kühe gibt es hier schon lange nicht mehr. Denn wo einst gemuht wurde, da wird jetzt getöpfert. Laura Sebestyén – Halb-Ungarin, 36 Jahre, Ehefrau, Mutter zweier Söhne – ist die Chefin im Atelier. Und ihre Leidenschaft ist schönes Porzellan.

Wenn die 36-Jährige an der Drehscheibe sitzt und Musik läuft, dann vergisst sie den Alltag. „Das Drehen ist die schönste, weil meditativste Arbeit“, sagt Sebestyén. Im Nu entstehen unter ihren Händen Vasen, Tassen, Schüsseln, Teller. Sie liebt klare Formen, bei denen sie mit spartanischen Ornamenten Akzente setzt. Ab und an ist eines ihrer Stücke auch schon mal dezent rosa oder hellblau von innen lasiert. Bis zu 13 Arbeitsgänge durchläuft jedes Teil, bevor es für den Verkauf fertig ist.

Allerdings entstehen in ihrem Atelier nicht nur Gebrauchsgegenstände. Auch Schmuckstücke hat sie schon kreiert, die sie am Tag der offenen Töpferei am kommenden Wochenende anbietet.

Laura Sebestyén hat das Handwerk von der Pike auf gelernt. Geboren in Siebenbürgen kam sie mit den Eltern mit elf Jahren nach Frankfurt am Main. Nach dem Abitur ging sie nach Ungarn, absolvierte dort ihre Keramikerausbildung. Zurück in Frankfurt studierte sie Kunstpädagogik, Kunstgeschichte und Kuulturanthropologie und machte 2022 ihren Magisterabschluss. Die Abendschule im Städl und das Museum für angewandete Kunst waren zwei Stationen auf dem Weg ins selbstständige Berufsleben.

2003 wurde geheiratet, 2004 eröffnete sie ihr erstes Kunstatelier im Nordend, 2005 wurde der erste Sohn geboren, 2006 kam die Idee auf, ein Wochenendhaus auf dem Land zu kaufen.

Auf Anhieb verliebt

Im Internet stieß sie auf den alten Bauernhof in Oberlauken. „Ich habe mich auf Anhieb in das Objekt verliebt“, gibt sie zu. Die Hofsituation habe ihr so gut gefallen – sie wusste gleich, wo der Sandkasten hinkommt: direkt vor die bodentiefen Fenster des Kuhstalls. „Von Anfang an hatte ich eine Vision vor Augen, wie es hier einmal aussehen soll“, erzählt sie. Noch ist nicht alles so, wie sie und ihr Mann Sebastian Meyen es haben wollen, aber die Familie fühlt sich hier wohl.

Als sie im Mai 2008 „nur zum Ausprobieren“ mit Kind und Schwiegermutter mal für eine Woche auf den unfertigen Bau zog, wollte sie nicht mehr zurück in die Stadt. Und so blieb sie, ließ sich vom Ehemann täglich frische Kleider bringen und trieb die Bauarbeiten voran. „Unsere Kinder sollten nicht in der Großstadt aufwachsen“, erklärt Laura Sebestyén. Sie selbst sieht sich „kulturell und soziologisch als Städterin, die auf dem Land wohnt“.

Wer die Künstlerin und ihre Arbeiten kennenlernen möchte, der sollte am Samstag oder Sonntag (11 bis 18 Uhr) in der Hanggasse 6 vorbeischauen. Von 11 bis 13 Uhr können Kinder töpfern, Erwachsene dürfen sich von 16 bis 18 Uhr im Kreieren von Schmuck versuchen. Weitere Infos unter www.handgedrehtes-porzellan.de.


Laura Sebestyén öffnet ihre Töpfer-Werkstatt im Freilichtmuseum

Die Töpferei im Hessenpark ist in neuen Händen. Und fürs Freilichtmuseum könnte das bald sichtbare Resultate liefern.

 

Von Ursula Konder

 

Neu-Anspach. Wenn Laura Sebestyén von ihrer neuen Aufgabe erzählt, dann leuchten ihre Augen. Töpfern ist ihre Leidenschaft, unter den Händen der gelernten Keramikerin und studierten Kunstpädagogin entstehen Vasen, Schmuckstücke und ganze Essgeschirre. Wie sie arbeitet, das können sich die Besucher des Hessenparks ab sofort in der Töpferwerkstatt des Freilichtmuseum anschauen, denn die Halb-Ungarin ist die neue Töpferin.

In der vergangenen Woche war noch nicht alles so, wie Sebestyén es an ihrem neuen Arbeitsplatz haben möchte. "Doch es wird", meint sie und öffnet die Tür des alten Fachwerkhauses. Wer die Werkstatt von früher kennt, der sieht: Es hat sich schon einiges verändert. Dunkel wirkte der Raum früher, dunkel und ziemlich vollgestopft.

Kursangebote 

Sebestyén hat erst einmal alles rausgeräumt, die Wände geschrubbt, den aus Holz-Fußboden gereinigt, alles weiß gestrichen und ganz viele Lampen anbringen lassen. Hell will die 37-Jährige es haben, sonst fühlt sie sich nicht wohl. Und auch ihre künftigen Besucher sollen sich in der kleinen Werkstatt wohlfühlen, denn schließlich finden hier ja die Kurse statt, die sie im Auftrag des Freilichtmuseums anbietet.

Vor allem mit Kindern wird die Künstlerin mit Wahlheimat Oberlauken arbeiten. Das passt, schließlich hat sie nicht nur das Keramikerhandwerk von der Pike auf gelernt, sondern in Frankfurt auch noch Kunstgeschichte und Kunstpädagogik studiert und schon viel mit Kindern gearbeitet.

Aber ebenso dürfen Erwachsene in ihrer Hessenpark-Werkstatt mitmachen. Immer montags (14 bis 16 Uhr) und sonntags (14 bis 16 Uhr) bietet sie eine "Offene Werkstatt" an. Jung und Alt sind in dieser Zeit zum Mitmachen eingeladen, können je nach Thema Becher, Tassen, Schalen, Brettspiele und vieles mehr anfertigen. "Für die offene Werkstatt muss sich niemand anmelden, die Leute sollen einfach kommen und mitmachen", sagt Sebestyén und freut sich schon auf die Besucher.

Groß war die Freude bei ihr auch, als im Dezember der Fachbereichsleiter für Museumspädagogik, Torsten Halsey, bei ihr anrief und sie fragte, ob sie die Töpferwerkstatt im Hessenpark übernehmen möchte. "Ich war mittendrin in der Planung für das kommenden Jahr", erinnert sie sich. Doch sie brauchte nicht wirklich lange nachdenken, um sich für die Hessenpark-Töpferwerkstatt zu entscheiden. "Total gefreut" hat sie sich über die Anfrage, gibt sie zu. Viele Hessenpark-Mitarbeiter kennen sie schon, haben bei ihr bereits Kaffeebecher gekauft, denn die Oberlaukenerin war auf vielen Märkten im Freilichtmuseum schon mit einem eigenen Verkaufsstand dabei.

Selbst anpacken

Laura Sebestyén soll für den Hessenpark auch ein eigenes Geschirr entwerfen, verrät die Töpferin. Sie hat bereits feste Vorstellungen, wie Tassen und Teller aussehen sollen. Zeitgenössisch und doch traditionell könnte es werden, die alten Ornamente der Hessenparkhäuser müssten sich auf dem Geschirr wiederfinden, ebenso ihre Pastellfarben Rosa, Blau und Grün. "Ein Geschirr mit Ortsbezug soll es werden", sagt sie mit strahlenden Augen und kann es kaum erwarten, mit der Arbeit anzufangen.

Am morgigen Sonntag öffnet sie die Werkstatt-Türen zum ersten Mal und ist von 11 bis 17 Uhr für die Besucher da, von 14 bis 16 Uhr dürfen alle, die selbst töpfern wollen, zum ersten Mal bei der offenen Werkstatt mitmachen. Das Thema: Aufbau einer Schale. (6)