Michel Bergmann:

Buch-Autor von "Die Teilacher"

Michel Bergmann. Foto: Ursula Konder
Michel Bergmann blickt zwar erst auf eine kurze Karriere als Buchautor zurück, aber auch in Neu-Anspach musste er viele Autogramme geben. Foto: Konder

Er punktet mit Humor und Charme

 

Er ist Jude und ein Instant-Kaffee-Macher. Auf Einladung der Buchhandlung Weddigen plauderte Michel Bergmann allerdings noch viel mehr aus seinem Leben aus.

Von Ursula Konder

 

 

 

Neu-Anspach. Ganz offensichtlich eilt Michel Bergmann ein guter Ruf voraus. Fast 100 begeisterte Zuhörer kamen kürzlich ins evangelische Gemeindehaus, um ihm zuzuhören. Der Autor las aus seinen Büchern "Die Teilacher" und "Machloikes" vor. Und der 67-Jährige plauderte launig aus seinem Leben.

 

Marlies Schwarze von der Buchhandlung Weddigen hatte zur Lesung eingeladen und ohne Frage einen Volltreffer gelandet. Die Gäste erlebten einen Autor, der mit Humor, Charme und Natürlichkeit punktete. "Man muss das eine Buch nicht kennen, um das andere zu verstehen", führte er in den Abend ein und fügte mit Blick auf seine "kurze Karriere als ernstzunehmender Buchautor" grinsend an: "Es kann aber nicht schaden, wenn man beide Bücher besitzt."

 

Michel Bergmann ist Kind jüdischer Eltern, "wurde – auch wenn ich nicht weiß, wie das überhaupt zustande kommen konnte – in einem Internierungslager in der Schweiz gezeugt". Die ersten Jahre seines Lebens verbrachte er in Paris, als er acht Jahre alt war, zog die Familie nach Frankfurt. Hier wuchs er auf, hier hatten Vater und Onkel ein Geschäft und verdienten ihren Lebensunterhalt als Teilacher. "Das ist jiddisch und steht für Handelsvertreter", so Bergmann.

 

Immer und immer wieder habe er seiner Ehefrau die Lebensgeschichte seiner Familie erzählt – bis es ihr offensichtlich eines Tages reichte, so der Autor. "Warum erzählst du mir das immer wieder, schreib es doch endlich auf", hatte Anke Apelt gemeint. Mit ihr hat Bergmann unter dem gemeinsamen Pseudonym Anke Michel auch Drehbücher (unter anderem "Hagedorns Tochter") und den Historienroman "Die Ärztin" geschrieben. Der Wunsch seiner Frau war ihm wohl Befehl, und so setzte er sich an den Computer und schrieb "Die Teilacher". "Von Anfang an war die Familiengeschichten als Trilogie geplant", erzählte Bergmann. Seine Intention, die Geschichte seiner Familie festzuhalten, sei "eine sentimentale: Damit etwas bleibt!".

 

Viele Erinnerungen

 

Die Erinnerungen stapelten sich regelrecht in seinem Kopf. Der erste Band (Teilacher) sei zu 80 Prozent autobiografisch, Band II – "Machloikes" – zu 50 Prozent. Der dritte Band soll im Herbst dieses Jahres erscheinen, und 2013 soll "Die Teilacher" verfilmt werden. Er habe dazu wieder einmal das Instant-Kaffee-Pulver gemacht, sprich das Drehbuch geschrieben, so Bergmann, der vor allem als Drehbuchautor bekannt ist.

 

Oder auch nicht, denn wer kennt schon einen Drehbuchautor, meinte der ehemalige Frankfurter selbst. In dieser Rolle mache er ja nur besagtes Kaffee-Pulver, "die schönen Dinge – einen Latte Macchiato oder einen Milchkaffee – machen dann der Regisseur und die Schauspieler daraus".

 

Kaffee-Pulver hin oder her, als Buch-Autor serviert er den Lesern einen Milchkaffee von der besten Sorte. (2)

 

Kunst & Kultur

 

Artikel vom 02. Mai 2012, 03.25 Uhr (letzte Änderung 02. Mai 2012, 09.22 Uhr)  

Man muss nicht beide Bücher von Michel Bergmann kennen, aber es schadet auch nicht, findet der Autor selbst. Foto: Konder

 

Man muss die "Die Teilacher" nicht kennen, um "Machloikes" zu verstehen. Aber es kann nichts schaden, beide Bücher zu haben, meint der Autor Michel Bergmann selbst. Foto: Ursula Konder
Man muss die "Die Teilacher" nicht kennen, um "Machloikes" zu verstehen. Aber es kann nichts schaden, beide Bücher zu haben, meint der Autor Michel Bergmann selbst. Foto: Konder