Sie vereinen sich mit dem Teufel

Von der Sage zur Wahrheit

In der Welt der Hexen gibt es viele magische Momente. Einer davon rückt gerade Tag für Tag näher. Ihr kennt ihn unter dem Namen Walpurgis- oder auch Hexennacht. Wenn es dunkel wird am 30. April, dann beginnt diese magische Zeit -  die Nacht, in der die Hexen sich auf ihre Besen schwingen und sich auf den Weg gen Brocken machen, um dort ein wildes Fest zu feiern. Sie tanzen, lachen und singen im Feuerschein und vereinen sich mit dem Teufel - dem Herrscher der Hexen. So zumindest wurde es Jahrhunderte lang erzählt. Eine Sage die fasziniert, die erzählt vom Wilden, Ursprünglichen, Sündigen. Und von der Freiheit, die diese Frauen ausgelebt haben. Eine Faszination, die viele Menschen – auch wenn sie mit Hexen so überhaupt nichts zu tun haben - noch heute verspüren.  

 

In der Gegenwart verzaubert das Hexenthema nicht erst seit Bibi Blocksberg und Harry Potter die Menschen wieder. Denn wer möchte nicht gerne daran teilhaben an diesem Gefühl auf einem Besen durch die Lüfte fliegen zu können,  die Enge zu verlassen, einmal ungezügelt die Freiheit zu genießen? Wenn es auch nur in dieser einen Nacht ist.

 

In der Walpurgisnacht werden mittlerweile an vielen Orten Hexenfeiern angeboten, als Event für Frauen, aber auch Männer, die sich in die Frauendomäne wagen. Es wird nach den alten überlieferten Bildern ums Feuer getanzt, es wird getrunken und gelacht. Doch diese Spaß-Veranstaltungen haben mit den ursprünglichen Festen der Hexen so gut wie nichts gemein.

 

Das ursprüngliche Fest wurde einst am Vollmond im Mai gefeiert und heißt Beltane. Zu dieser Jahreszeit zeigt sich die Natur in ihren schönsten und frischesten Farben und lässt die Menschen an ihrer überschwänglichen Fülle teilhaben. Bei den naturreligiösen Völkern, den Kelten, die  500 bis 300 vor Christus auch in unseren Breitengraden gelebt haben, war Beltane das größte Fruchtbarkeitsfest im Jahreskreis. Und mit Beltane fing bei den Kelten das Sommerhalbjahr an, das vor allem durch Wärme, Licht und Fröhlichkeit geprägt war. Sie huldigten  den Göttern mit einem fröhlichen Ritual  – mit Tanz und Gesang, Essen und Trinken, einem Sprung über das Feuer. Dies geschah aber immer in dem Bewusstsein, dass es eine spirituelle Verbindung zu dem Göttlichen in seinen vielen Aspekten gibt. Und in dem Glauben, dass diese göttlichen Aspekte den Menschen sehr ähnlich sind, gingen die Menschen davon aus, dass die Götter mehr Freude an einem fröhlichen Fest haben, als an traurigen Zeremonien und Askese.

 

Wir heutigen Hexen feiern das Jahreskreisfest individuell - aber immer nach den alten Sichtweisen. Die Natur ist uns heilig, sie steht im Mittelpunkt des Geschehens. Auch heute bringen wir während des Rituals unsere Opfer dar. Aber keine Angst. Unsere Opfergaben bestehen aus Blumen, Kräutern, ersten Früchten, Brot und Met. Unsere Vorfahren haben es wohl genauso gemacht und die Natur dabei um fruchtbaren Boden gebeten, damit sie das kommende Jahr überleben konnten. Für sie war es essentiell, dass der Boden – Mutter Natur – reiche Ernte bringt. Wie sonst hätten sie den nächsten Winter überstehen sollen?

 

Mit dem Opferritual  ehren wir Göttin und Gott und tun uns selbst etwas Gutes. Denn nur wer gut zu sich selbst ist, ist in der Lage Gutes an Mensch und Natur weiterzugeben. Göttin und Gott, weiblich und männlich gehören für uns übrigens genau so zusammen, wie Yin und Yang in der chinesischen Tradition. Es gibt kein Leben, wenn eines von beiden fehlt.


Hoch-Zeit für Hochzeit


Beltane war und ist aber noch  mehr. Es ist das Jahreskreisfest, an dem Hochzeiten gefeiert wurden. Auch heute noch legen Paare an diesem Tag den Schwur ab, der ihre Gemeinschaft entweder für ein Jahr, ein Leben oder über das Leben hinaus besiegeln soll. Der Schwur kann jedes Jahr zu Beltane erneuert werden. Natürlich war und ist auch hier Fruchtbarkeit ein Thema und nicht wenige Pärchen verschwanden früher oder später in den Büschen....

 

Doch bei allem Feiern, Essen, Trinken und Hochzeiten bleibt die spirituelle Verbindung zu den Göttern Mittelpunkt dieser Feier. Der spirituelle Weg unserer Vorfahren wird heute  unter anderem „Der Alte Weg“ und „Das Alte Wissen“   genannt. Dieses Wissen ging nie ganz verloren, es wurde von Hexe zu Hexe weitergereicht. Bis in die heutige Zeit. Entweder innerhalb der Familie, in denen traditionelle Hexen groß wurden. Oder durch den Kontakt zu der spirituellen Einheit, den göttlichen Aspekten, den Göttern, wie immer es die einzelnen Gruppen, Clans, Covens (englisch für Hexenzirkel)  auch nennen.

 

Bei diesem Wissen geht es hauptsächlich um die Zusammenhänge der Natur und um die Arbeit mit den natürlichen Ressourcen. Nicht umsonst waren Hexen deshalb in Stämmen oft die Heilerinnen und die Hebammen.


Sie waren aber auch diejenigen, die über den Tellerrand hinaus sehen konnten. Sie wussten um den Einfluss des Mondes und der Sterne auf unseren Planeten und die Menschen. Und sie wussten um die Energie, die in allem fließt und alles umgibt. Durch ihren geübten sechsten Sinn erkannten die Hexen  bereits vor Jahrtausenden ungesunde Strömungen innerhalb und außerhalb ihrer Stämme schon bevor diese sich auswirkten und konnten oft durch ihre Arbeit mit der natürlichen Energie günstigen Einfluss nehmen.

 

Auch heute arbeiten wir Hexen mit der Natur und für die Natur, auch heute noch haben wir  Visionärinnen in unseren Reihen. Für uns ist Magie lediglich ein anderer Begriff für die Energie, die uns umgibt. Und wenn wir uns nun wiederum den Boom der „Wünschen“-Bücher in den letzten Jahren betrachten, in denen ebenfalls mit Energie gearbeitet wird, ist es leichter das Arbeiten der Hexen zu verstehen. Beim Wünschen wird Energie zugunsten eines bestimmten Zieles frei gesetzt. Und diese Energien sind an Beltane, dem Fruchtbarkeitsfest, besonders intensiv, und so wundert es auch nicht, dass wir  Hexen uns auf die Besen schwingen und gen Brocken reiten... :-)

 

P.S.

Noch ein Wort zum angeblichen Teufel, dem Herrscher der Hexen: Cernunnos, der Waldgott, der an Beltane besonders geehrt wird, wird in vielen Abbildungen als Hirsch oder als gehörnter Gott dargestellt. So wurde aus dem Gott ein Teufel gemacht, der im heidnischen Glauben jedoch überhaupt nicht existiert.

 

Was es mit dem Weltenbaum und den Göttern auf sich hat und wer diese sind, erzählt Euch Asha beim nächsten Mal.

 

 

Dein ganz persönliches Beltane

Vielleicht habt Ihr ja jetzt Lust euer persönliches Beltane zu feiern. Macht einen Nacht-Spaziergang, atmet die frische Lust tief ein, besinnt Euch auf Euer innerstes Gefühl und genießt die Ruhe. Vielleicht spürt Ihr ja ein wenig die Energie, die Euch umgibt. Das wäre doch ein wunderbares Geschenk. Und vielleicht gibt es ja einen Menschen, mit dem Ihr das Erlebnis teilen wollt.

 

Asha und ich wünschen Euch viel Spaß dabei.

 

Und damit auch der Geschmackssinn nicht zu kurz kommt, geht es hier zum Hexen-Trank.