Steinzeit mit Glanzlicht

Gesang, Tanz, Reden, Ehrungen – der Kransberger Narrenclub zog zur Faschingssitzung alle Register. Und das fünfeinhalb Stunden lang

 

Von Ursula Konder

 

Kransberg. "Jabba dabba du – die Steinzeit rollt auf Kransberg zu", so lautet das Motto des Kransberger Narrenclubs (KNC). Und viele, die am Samstagabend in das zur Narrhalla umgebaute Bürgerhaus kamen, hatten sich dementsprechend maskiert und passten bestens zum Bühnenbild: Wilma, Bam-Bam, Pebbels, Betty und Barnie Geröllheimer, Fred und Wilma Feuerstein grüßten mannsgroß von der Bühne herunter, und Prinz Edi I. durfte im steinzeitlichen Gefährt Platz neben.

Gar nicht steinzeitlich, sprich von vorgestern, waren Programm und Stimmung. Kransberg verstand es, mit seinen Freunden aus dem Usinger Land zu feiern. 200 Stühle standen eng an eng, 200 Narren saßen dementsprechend aneinander gekuschelt beisammen, prosteten sich zu, lachten, klatschten und standen immer wieder zum gemeinsamen Schunkeln auf.

Sitzungspräsident Sascha Bastian wirbelte als Anheizer den ganzen Abend über die Bühne. In dieser Rolle war ihm wenig Applaus vergönnt, doch dafür erhielt er für seinen Auftritt als Mister Entertainer Standing Ovations. Die Fassenacht sei nicht immer nur lustig, die könne auch ganz schön ernst sein, meinte Mister Entertainer und hielt seinen Kransbergern den Spiegel vor, redete sich in Rage, als er sich an die Streitereien um eine Glasvitrine oder einen Durchbruch für die Bürgerhaus-Durchreiche erinnerte. Und das waren nur zwei von vielen Dingen, um die im Ort gestritten wurde. "Ich halt des alles net mehr aus, mei Kransberg ist der blanke Graus", rief er den Zuhörern zu. Und die applaudierten ordentlich. Ganz offensichtlich schien von den Streithähnen keiner im Saal zu sein. Wie Kransberg sein könnte, besang Mister Entertainer gekonnt auf die Melodie zu "So leb dein Leben".

Beim KNC wird auch der Nachwuchs gefördert, und so durfte der denn auch den Reigen der vielen Programmpunkte eröffnen. Mit einem Tanz zu Ehren ihres Faschingsprinzen Edi I. brachten "The Wildcats" Schönes für Auge und Ohr mit. Für die achtjährige Hanna Klee war der Abend ein ganz besonderer, denn sie gab ihr Debüt in der Bütt und erzählte, wie schwer es doch ist, ein Kind zu sein. Insgesamt fünf Mal musste die Bütt auf die Bühne gefahren werden, denn Wilfried Endlein, Bastian Scholz, Sascha Schmidt, und der "Kransberger Engel" alias Klaus Hofmann hatten einiges zu erzählen. Und an dieser Stelle muss man den Kransbergern ein Lob aussprechen: Platte Zoten und peinliche Witze hallten nicht durch die Narrhalla. Allein das wäre schon eine der vielen Raketen wert gewesen, die die Vampire, Steinzeitler, Prinzessinnen, Cowboys und Neandertaler gen buntgeschmückte Decke schickten.

Den gesanglichen Höhepunkt bot am Samstagabend ohne Frage Denise Steinbach. Sie brachte die Schlager-Diva Helen Fischer auf die Bretter, die die Welt bedeuten. Im roten Abendkleid schwebte sie förmlich auf die Bühne. Edis Hofdamen begleiteten die Kransbergerin, die wohl mächtig Herzklopfen hatte. Es war ihr erster Auftritt vor Publikum, aber wohl kaum ihr letzter, denn der KNC will die junge Sängerin künftig fördern. Optisch wie stimmlich könnte sie Helen Fischer doubeln, und keiner würde etwas merken. Ein wahrhaft glanzvoller Auftritt.

Für Prinz Edi I. war es die letzte Session. "Ich blicke nur mit lachenden Augen zurück", ließ er die Narrenschar wissen und bedankte sich bei den Freunden im Usinger Land, die den Verein seit der Gründung vor vier Jahren unterstützt haben. "Wenn wir euch nicht gehabt hätten, wären wir nicht so weit gekommen", so der Fastnachtsprinz, der nach dieser Saison das Zepter abgibt. An wen, das wurde allerdings nicht verraten, da müssen sich die Narren noch gedulden. (uko)