160 Frauen aus 25 Nationen . . .

. . . feiern in der Stadthalle unter dem Motto „Tanzen verbindet“

Tanzen verbindet. Das zeigte sich am Samstag bis in die Nacht hinein. Die Tanzfläche in der Stadthalle war stundenlang gefüllt – nur mit Frauen.

Von Ursula Konder

Usingen. In der Henna-Nacht wird die türkische Braut auf ihre Hochzeit vorbereitet und feiert ihren Junggesellinnen- Abschied. Fotos: KonderIn der Henna-Nacht wird die türkische Braut auf ihre Hochzeit vorbereitet und feiert ihren Junggesellinnen- Abschied. Fotos: KonderIn der Henna-Nacht wird die türkische Braut auf ihre Hochzeit vorbereitet und feiert ihren Junggesellinnen- Abschied. Fotos: Konder"Nordamerika?" – "Ja"; "Eritrea?" – "Ja"; "Russland?", "Großbritannien?" – "Ja". Immer wieder ertönte das Ja, als die Frauenbeauftragte der Stadt, Ute Harmel, am Samstagabend Länder aufrief und wissen wollte, ob jemand von dort in der Stadthalle anwesend war. Und am Ende waren es 25 Vertreterinnen aus Nationen, die den Weltfrauentag, organisiert vom Usinger Frauennetzwerk, in ausgelassener Stimmung miteinander feierten.

Es war wahrlich ein Fest für die Sinne, denn es gab jede Menge zu sehen, zu hören, zu schmecken, zu fühlen, zu riechen. Besonders den Frauen der Ahmadiyya-Gemeinde Usingen wurden bewundernde und – Ja, Frau muss es zugeben – ein paar neidische Blicke zugeworfen. Sie kamen in ihren traditionellen Kleidern. Die Farben leuchteten, die aufgesetzten Steine funkelten, große Goldohrringe und Armreifen klimperten, Haare glänzten wie Seide – Frau kann schöner nicht aussehen. Wer dachte da nicht an die Erzählungen aus Tausend-und-einer-Nacht. Die Kopftücher konnten an diesem Abend abgelegt werden, denn es war schließlich ein Fest von Frauen für Frauen. Für Männer war die Stadthalle tabu.

Die Ahmadiyya-Frauen sorgten auch dafür, dass fast jede Frau an diesem Abend mit einem Henna-Tattoo nach Hause ging. Manch einer reichte schon eine kleine Blume auf der Hand, andere ließen sich den ganzen Arm verschönern und genossen dabei das kitzelnde Gefühl auf der Haut. In der ungezwungenen Atmosphäre wurden sich auch ganz ungeniert gegenseitig richtige Tattoos gezeigt und bewundert.

Tanzen verbindet, hieß das Motto des Abends, und alle Frauen sahen dies auch als Aufforderung an. Tanzen in Gesellschaft hat schließlich viele Funktionen. Als Sport ausgeübt lässt es Kalorien schmelzen, als Kunstform werden Gefühle dargestellt, vor religiösem Hintergrund werden Götter verehrt oder böse Geister abgewehrt und als ritualisiertes Tanzen drückt es die Zusammengehörigkeit aus. Zusammengehörig fühlten sie die Frauen wohl auch, denn alle machten mit, ließen ihren Gefühlen freien Lauf und trainierten so die Kalorien ab, die sie vorher am von den Frauen gespendeten internationalen Büfett zu sich genommen hatten.

Türkische Brautnacht

Auch in der Henna-Nacht spielt der Tanz eine große Rolle. Dies zeigten die Mitglieder der Ebru-Plattform zur Förderung der Frau in ihrer Aufführung einer türkischen Brautnacht. In dieser Nacht nimmt die Braut Abschied von ihrem alten Leben, wird mit Henna bemalt und von ihren Freundinnen umtanzt. In Rot-Schwarz tanzten die Bauchtänzerinnen der Gruppe Habibis aus Eschbach spanisch-arabische Choreographien und forderten im Anschluss die Gäste auf, mitzumachen. Die meisten ließen sich nicht zwei Mal bitten, und so ging es hüftschwingend im Kreis herum.

Wie oft der Weltfrauentag in der Stadthalle schon gefeiert wurde, wusste am Samstagabend niemand so recht. "Zehn oder elf Mal", meinte Ute Harmel. Doch eines war allen klar: Diese Feier hat sich nicht nur gemausert, sie hat sich etabliert, wie der Besucherandrang zeigte. 160 Frauen waren gekommen, 50 mehr als im vergangenen Jahr. Und einige – wie Sueli Heisig (Brasilien) sowie Fre Wasshun und Meri Essa (Äthiopien) – tauschten auch gleich ihre Adressen aus . . .

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